Tagebuch von untitLed_x3

24.09.2010 - Der Neuanfang [..] Öffentlicher Eintrag

(Samstag, 25. September 10, 00:22)
“Ich war echt so ein Arschloch damals ..”
“Ja ..”

*

Marten steht um Punkt 5 Uhr vor unserer Haustür. Ich bin aufgeregt und ich weiß selbst nicht so recht, warum eigentlich. Ich habe ihm versprochen, ein bisschen Franze mit ihm zu lernen und mal ganz ehrlich, er ist echt ziemlich grottich.
Naja, ist halt erst das zweite Jahr und ich denke mal, dass er sich da nicht so wirklich drüber Gedanken gemacht hat, dass das möglicher Weise alles etwas ernster zu nehmen ist.
Es klappt soweit ganz gut, ich glaube, er hat es wirklich ein wenig verstanden.
Und dann .. tja, dann reden wir. Eine halbe Stunde ohne Punkt und Komma über Gott und die Welt. Und über früher ..

*

Er lacht. Es ist mehr eine Art kindliches Kichern mit diesem Lächeln und dem Glitzern in den Augen, das ich damals kennen und lieben gelernt hab.
“Was ist?”, frage ich.
“Ach .. es ist nur .. vor ein paar Jahren waren wir so gut befreundet und jetzt sitzen wir wieder hier ..”
Ich muss lächeln. Damals.
“Wir sind beide älter geworden .. ich mein, das Ganze ist jetzt mittlerweile bald 4 Jahre her.”
“So lange schon? Oh man..”
Und dann überkommt es mich irgendwie.
“Weißt du mittlerweile, wieso es auseinander gegangen ist?” Ich habe ein wenig Angst vor der Antwort, wenn ich ehrlich bin.
Er schüttelt den Kopf.
“Ich weiß nicht .. wahrscheinlich hab’ ich mich einfach viel zu sehr von den anderen beeinflussen lassen.”
Ich schlucke. “Wahrscheinlich, ja.”
“Ich war echt so ein Arschloch damals ..”
“Ja ..”
Er lacht und ich muss grinsen. Es hat mir gefehlt.
“Nein, im Ernst. Ich schäme mich auch heute für das, was ich gemacht habe. Es tut mir leid ..”
Mir auch ..
“Ist schon okay .. vielleicht kannst du es wieder gut machen ..?”
Er lächelt wieder: “Wahrscheinlich bin ich dir das mehr als schuldig.”

*

Als ich ihn zur Tür bringe bin ich fast ein bisschen traurig darüber, dass er schon gehen muss.
An der Tür stehen wir uns gegenüber, am liebsten würde ich ihn in den Arm nehmen. Aber da ist immer noch eine Art kleine Mauer zwischen uns und niemand unternimmt den Versuch, sie zu durchbrechen. Wahrscheinlich ist es noch zu rüh dafür.

Als ich oben bin habe ich eine Gänsehaut und mein Herz pocht laut. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass das ein Neuanfang sein kann. Und dieses Mal wirklich.

*

Die Ehrlichkeit und Tiefe unseres Gesprächs hat mich überrascht. Wie viel ich ihm einfach so ohne Bedenken anvertrauen konnte. Wie vertraut es war, mit ihm zu reden. Das gemeinsame Lachen.
Einfach, dass ich so sein konnte, wie ich bin. Dass ich mich für ihn nicht verstellen muss, sondern über meine Gefühle sprechen kann. Dass alles plötzlich so einfach erscheint.
Seltsam, wie einfach es ein Mensch jemandem machen kann.
Ich denke, man bezeichnet das, was ich beschreibe, mit dem Wort Vertrautheit [..]

*

Diesen Eintragschreibe ich aber nicht nur, weil heute etwas besonderes passiert ist, sondern auch, weil ich gerade irgendwie wieder in dieser “einsam”-Phase bin.
Eben habe ich in meinem Posteingang die Mail von Herrn Schreiber gelesen, dass ich mein “Autismus”-Thema nicht behandeln kann und irgendwie fühle ich mich deswegen ziemlich aufgeschmissen. Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Auf dem Ding stehen bestimmt 100 Themen, die ich nicht behandeln darf und irgendwie schwindet in mir die Hoffnung, dass ich noch ein Thema finde, zu dem man etwas vernünftiges schreiben kann und das mich im gleichen Maße interessiert.
Naja, ich wollte halt mit Sascha reden, aber der hat Besuch, was ich nebenbei erfahren habe, als ich erzählt habe. Ich meine, es ist natürlich nicht seine Absicht, aber ich habe mich schon irgendwie vor den Kopf gestoßen gefühlt.
Tja, nun sitze ich hier, habe Angst davor ins Bett zu gehen und zu Weinen – Hallo, wie kann man nur so emotional sein ..?! – und versuche, die Zeit tot zu schlagen. Eben war Kathy hier, wir haben ein bisschen gequatscht und ferngesehen, es war ganz witzig.
Freitagabend ist eigentlich einer, auf den ich mich immer freue.
Nur gerade heute ist allesin mir durcheinander. Schätze, ich bin einfach nur ausgelaugt ..

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